BAMUM Lidded Power-Vessel (Madiembi Chiefdom - Machtübergabe-Instrument des Besuchers)
Ein hohes, zylindrisches hölzernes Vorratsgefäß, das vollständig von einer außerordentlich dichten, hochreliefierten Schnitzerei zahlloser männlicher und weiblicher Figuren mit erhobenen Armen umhüllt ist. Der Deckel wird von einem markant geschnitzten Tierkopf (wahrscheinlich ein Büffel) gekrönt.
1. Ästhetischer Stil und die Architektur der Stütze
Dieses aus dem Madiembi-Häuptlingstum stammende Gefäß ist eine atemberaubende Leistung in Grassfields "horror vacui" (Angst vor dem leeren Raum). Der Künstler hat die Oberfläche eines einfachen zylindrischen Behälters in eine vibrierende, architektonische Matrix verwandelt. Die unzähligen Figuren, die alle mit nach oben gerichteten Armen geschnitzt sind, wirken wie eine einheitliche, symbolische Karyatidenstruktur. Sie scheinen den Deckel und damit auch die Autorität des Häuptlings physisch zu stützen. Der elegante, tief geschnitzte Büffelkopf auf dem Deckel bildet einen Brennpunkt von roher, zoomorpher Kraft, der in schönem Kontrast zu dem dichten menschlichen Gitter darunter steht.
2. Rituelle Funktion und der Verzicht auf Omnipotenz
Wie die Kuratorin dokumentiert, diente dieses Objekt am Hof von Madiembi einer höchst profunden psychologischen Funktion. Es handelte sich nicht um ein gewöhnliches Vorratsgefäß, sondern um ein rituelles Gefäß für persönliche Macht. Bevor ein Besucher den Empfangsraum des Häuptlings betreten durfte, musste er symbolisch seine eigene Macht (pouvoir) in dieses Gefäß "abgeben". Die Figuren mit den erhobenen Armen fingen diese Kraft symbolisch auf und hielten sie fest. Dieses Ritual sorgte dafür, dass der Besucher völlig machtlos und unterwürfig vor dem Häuptling stand. Beim Verlassen des Gefäßes "holte" sich der Besucher seine Macht zurück und beendete damit einen Meisterkurs in psychologischer Staatskunst.
3. Patina, Materialverwitterung und Altersnachweis
Das Gefäß weist eine tiefe, dunkle und hochglanzpolierte Bearbeitungspatina auf. Der Rand des Gefäßes und der Boden des Deckels weisen starke, ungleichmäßige Abnutzungserscheinungen auf, die darauf zurückzuführen sind, dass das Gefäß über Jahrzehnte hinweg von Hunderten unruhiger Besucher immer wieder geöffnet und geschlossen wurde. Die hervorstehenden Ellbogen, die erhobenen Hände der geschnitzten Figuren und die Schnauze des Büffels sind durch die ständige menschliche Reibung auf Hochglanz poliert. In den tiefen Ritzen sind historischer Staub und Ruß erhalten geblieben, was die langjährige Nutzung im Vorzimmer des königlichen Hofes von Madiembi perfekt belegt.
Zusammenfassung
Dieses kunstvoll geschnitzte Gefäß ist ein brillantes, furchterregendes Instrument der politischen Psychologie von Grassfield. Indem es die Besucher zwang, ihre Macht physisch in seine dichte, figurierte Matrix zu übertragen, sicherte es die absolute, unbestrittene Vorherrschaft des Madiembi-Häuptlings.

