MUMUYE Monumentale Ahnenstatue mit flügelartigen Armen (Vabong-Gesellschaft, Nigeria, 1. Hälfte 20. Jh., 117 cm)
Diese monumentale, 117 cm hohe, stark abstrahierte Holzfigur hat einen kleinen, helmartigen Kopf mit großen Ohren, einen langen, säulenartigen Rumpf und spektakuläre, den Negativraum einschließende Arme, die wie massive Flügel nach unten schwingen. Das Holz ist dunkel, stark ausgetrocknet und weist altersbedingte Risse auf.
1. Ästhetischer Stil - Benue River Kubismus und negativer Raum
Das Volk der Mumuye aus dem Nordosten Nigerias ist dafür bekannt, dass es die Holzskulptur in den Bereich des radikalen, abstrakten Kubismus vorantreibt. Dieses monumentale Werk gilt als ein charakteristisches Beispiel für diese Tradition. Der Schnitzer verzichtete weitgehend auf anatomischen Realismus und konzentrierte sich stattdessen auf eine dynamische, schwungvolle Geometrie. Die langen, bandartigen Arme lösen sich vom zentralen, säulenartigen Rumpf und schaffen große Taschen mit negativem Raum. Dieses Zusammenspiel zwischen massivem Holz und leerer Luft verleiht der schweren, 117 cm großen Figur ein auffallendes Gefühl von Schwerelosigkeit und kinetischer Flüssigkeit.
2. Rituelle Funktion - Vabong-Gesellschaft und divinatorische Orakel
Mumuye-Statuen sind vielseitig; sie werden in der Literatur nicht als spezielle Ahnenporträts beschrieben, sondern eher als funktionale Geistergefäße, die von der Vabong-Geheimgesellschaft verwendet wurden. Diese hoch aufragenden Figuren wurden in speziellen, privaten Schreinen aufbewahrt und dienten als Orakel. Ein Wahrsager hielt die Statue in der Hand, versetzte sich in Trance und sprach direkt mit den Schutzgeistern, die sie enthielt. Sie wurden auch bei Regenmacherritualen, Heilungszeremonien und zur Beilegung von Dorfstreitigkeiten eingesetzt und fungierten in der Mumuye-Gesellschaft traditionell als Instanzen zur Schlichtung von Konflikten.
3. Physische Patina - Monumentale Austrocknung und Handhabung
Das Alter dieses hoch aufragenden Werks spiegelt sich deutlich in seiner Maserung wider. Das Holz weist eine tiefe, natürliche Austrocknung auf. Vertikale Altersrisse ziehen sich über die Länge des Rumpfes und der geschwungenen Arme, das organische Ergebnis der jahrzehntelangen Reifung eines massiven Holzstammes in dem rauen, trockenen Klima der Sahelzone. Trotz dieser Verwitterung weisen die Bereiche um die Taille und den "Helm"-Kopf eine weiche, dunkelbraune Politur auf, die auf einen langanhaltenden rituellen Gebrauch hinweist.
Zusammenfassung
Diese monumentale, 117 cm große Mumuye-Figur gilt als ein eindrucksvolles Beispiel des nigerianischen abstrakten Kubismus. Sie nutzt auf wirkungsvolle Weise den negativen Raum, um eine schwerelose, dynamische Silhouette zu schaffen. Die Austrocknungsrisse und die tiefe, polierte Patina weisen auf ihre traditionelle Rolle als Orakel der Weissagung hin.



