MUMUYE Iagalagana Weibliche Ahnenfigur (34 cm)
Diese sehr langgestreckte, abstrakte Holzfigur hat einen verkürzten, helmartigen Kopf, einen langen, säulenartigen Hals und bandartige, gewellte Arme, die sich um einen zylindrischen Rumpf mit einem hervorstehenden Nabel winden. Die Oberfläche ist dunkel, knochentrocken und stark strukturiert mit tiefer Holzmaserung und Austrocknungsrissen.
1. Ästhetischer Stil und regionale Charakteristika
Das Volk der Mumuye aus dem Benue-Tal im Osten Nigerias ist weltweit für seine radikale, fließende Abstraktion bekannt. Diese Figur fängt ihre charakteristische Ästhetik perfekt ein. Der Schnitzer hat die Arme in geschwungene, bandartige Bögen verwandelt, die den Rumpf einrahmen und ein dynamisches Zusammenspiel von positivem Volumen und negativem Raum schaffen. Die extreme Verlängerung des Halses und des Rumpfes verleiht der Figur eine aerodynamische, fast schwerelose Qualität, die den statischen Naturalismus völlig zugunsten einer kinetischen, proto-kubistischen Spannung aufhebt.
2. Rituelle Funktion und Geheimbund-Kontext
Diese als Iagalagana bekannten Statuen dienen als äußerst vielseitige Schutzgeister. Die Figuren werden von den Dorfältesten in speziellen, privaten Schreinhütten aufbewahrt und bei einer Vielzahl von wichtigen Gemeinschaftsriten eingesetzt. Sie dienen als Orakel, um Diebe oder Praktizierende bösartiger Hexerei zu entlarven, und sie werden von Regenmachern hervorgeholt, um die Fruchtbarkeit der Ernte zu gewährleisten. Der hervorstehende Nabel unterstreicht die ununterbrochene Nabelverbindung zu den Ahnen, die ihre göttliche Kraft in den irdischen Bereich kanalisieren, um die Abstammung zu schützen.
3. Physische Patina und Altersnachweis
Der physische Zustand dieses Stücks bestätigt seine authentische Geschichte als Schrein. Das Tropenholz ist vollständig oxidiert, hat seinen ursprünglichen Saft verloren und ist stark ausgetrocknet und strukturiert. Tiefe, natürliche Altersrisse verlaufen vertikal entlang der Maserung des Rumpfes und des Kopfes. Die Oberfläche ist mit einer dunklen, trockenen und brüchigen Schicht aus altem Staub und verblichenen Opfertränken überzogen. Die Enden der Beine sind erodiert und abgestumpft, was beweist, dass sie viele Jahrzehnte lang direkt auf dem feuchten Lehmboden eines nigerianischen Schreinhauses gestanden hat.
Zusammenfassung
Diese Mumuye Iagalagana-Figur ist eine spektakuläre Manifestation der fließenden Bildhauerkunst des Benue-Tals, die den negativen Raum nutzt, um eine dynamische, lebendige Silhouette zu schaffen. Die tiefen Austrocknungsrisse und die authentische, erdige Patina machen sie zu einem erstklassigen Gefäß der nigerianischen Orakelmagie.



