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Notizen

DOGON Abstrakte Reiteraltarfigur, unbewaffneter Reiter (Verlag "DOGON", 1. Hälfte 20. Jh., 13 cm)

Eine von vier aufeinander abgestimmten Reiterfiguren aus einem einzigen Ritualensemble (1035-1038). Dieser 13 cm große unbewaffnete Reiter - der kleinste des Quartetts - sitzt auf einem stark abstrahierten, minimalistischen Pferd, das aus einer strengen horizontalen Stange mit Pflockbeinen geschmiedet ist. Das Eisen ist mit einer tiefgründigen, stark strukturierten und brüchigen Erdrostkruste überzogen.

1. Ästhetischer Stil - Reitsportlicher Minimalismus und statische Autorität

Dieses Stück, wie auch seine drei Begleiter im Salanon-Ensemble, demonstriert die große Ausdruckspalette der Dogon-Schmiede innerhalb einer strengen reiterlichen Abstraktion. Das Pferd ist auf eine strenge horizontale Stange reduziert, der Reiter auf ein vertikales Rückgrat. Die waffenlose Haltung vermittelt eher eine Aura statischer, höchster Autorität und himmlischer Beobachtung als kriegerischer Aktion. Diese stille, unbewaffnete Haltung repräsentiert den überragenden Hogon als stillen Beobachter der kosmischen Ordnung, der über den chaotischen Angelegenheiten des irdischen Kampfes steht.

2. Rituelle Funktion - Die Kavallerie des Hogon

In dem steilen, felsigen Gelände des Bandiagara Escarpment waren Pferde für den täglichen Transport praktisch unbrauchbar; sie waren ausschließlich die sehr teuren Prestigefahrzeuge des obersten Hogon (oberster Führer). Folglich dient diese Eisenfigur als vielschichtige Metapher: Sie steht für den Reichtum und die unanfechtbare Autorität der Priesterschaft und symbolisiert gleichzeitig die Nommo, die in ihrer kosmischen Arche auf die Erde herabsteigen. Dieser unbewaffnete Beobachter stand zusammen mit seinen drei Begleitern auf einem großen Dorfaltar und war Teil einer spirituellen Kavallerie, die die Gemeinschaft aus allen Himmelsrichtungen bewachte.

3. Physikalische Patina - Erdkruste und die archivalischen Aufzeichnungen

Der physische Zustand dieser Figur ist aus archivarischer Sicht spektakulär. Gemeinsam mit ihren drei Begleitern weist sie eine dichte, stark brüchige und tief strukturierte orange-braune Rostkruste auf. Diese starke Mineralisierung deutet darauf hin, dass das gesamte Ensemble dauerhaft im Freien aufgestellt oder stark in den Schlamm eines Binu-Heiligtums eingebettet war, wo es über Generationen hinweg zyklischen Regenfällen und dem Auftragen von dicken organischen Flüssigkeiten ausgesetzt war. Seine Veröffentlichungsgeschichte garantiert, dass dieser raue, archäologische Verfall ein unberührtes, ungereinigtes Zeugnis wahrer malischer Hingabe ist.

Zusammenfassung

Dieser unbewaffnete, reitende Beobachter ist mit seinen 13 cm der kleinste des Quartetts und strahlt die stille Autorität des Hogon aus. Sein schwerer, brüchiger Erdrost garantiert seine Geschichte als Teil einer spirituellen Elitekavallerie eines Heiligtums des frühen 20. Jahrhunderts.

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