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Notizen

DOGON Mensch-Tier-Altarstab mit Eidechse und Glocken (Zwilling mit 984, 19. Jh., 63 cm)

Einer von zwei hoch aufragenden Eisenstäben mit komplizierten, vielfigurigen Spitzen, auf denen ein abstrakter Mensch mit einem wellenförmigen, eidechsenartigen Tier interagiert, das sich an die zentrale Achse klammert, komplett mit aufgehängten konischen Glocken. Er weist eine trockene, tiefgründige und stark strukturierte Eisenoxidkruste auf.

1. Ästhetischer Stil und regionale Eigenheiten

Dieser Stab gilt als ein bemerkenswertes Beispiel für die erzählerische Komplexität der Dogon-Schmiedekunst. Dem Schmied (Jemme) gelang es, ein artenübergreifendes Tableau auf einer einzigen Eisenachse darzustellen. Die Szene zeigt eine menschliche Figur und eine große, wellenförmige Eidechse oder ein Krokodil, die sich dieselbe räumliche Ebene teilen. Im Dogon-Mythos gilt das Krokodil als Wächter des Wassers und Beschützer des Hogon, der eng mit dem Nommo verbunden ist. Diese Komposition veranschaulicht die enge Beziehung zwischen dem Menschen und der Tierwelt, die hier in einer dichten eisernen Verbindung dargestellt wird.

2. Rituelle Funktion und akustische Beschwörung

Aufgrund seiner beachtlichen Größe (63 cm) und seiner komplexen Ikonographie wird dieser Stab oft mit der Ausrüstung hochrangiger Priester assoziiert. Ihm wird die Funktion eines tragbaren, vertikalen Altars zugeschrieben. Bei großen landwirtschaftlichen Festen (wie dem Bulu) schlug der Priester den Stab vermutlich gegen die Erde. Die sich an den Stab klammernde Eidechse beschwor visuell den Schutz der Wassergeister, während das Läuten der aufgehängten Eisenglocken als akustischer Auslöser diente und die Kommunikationskanäle zwischen den irdischen Gläubigen und dem Reich der Ahnen öffnen sollte.

3. Physische Patina und Altersnachweis

Dass dieser Stab zusammen mit dem Stück 984 – mit nahezu identischen Abmessungen – erhalten geblieben ist, gilt als seltene ethnographische Konstellation. Beide Stücke weisen eine übereinstimmende Patina auf: eine trockene, stark strukturierte und brüchige Kruste aus tiefbraunem und orangefarbenem Rost. Dies spricht dafür, dass sie in einer ähnlichen Umgebung aufgestellt waren und über einen langen Zeitraum hinweg, der bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen kann, vergleichbar verwitterten. Ihre gemeinsame Herkunft aus der Sammlung von René Salanon stützt die Zuschreibung als historische Relikte der Dogon-Heiligtumsarchitektur.

Zusammenfassung

Dieser Stab, der eine komplexe mythologische Erzählung über die Dualität von Mensch und Reptil darstellt, gilt als ein bedeutendes Zeugnis des strukturellen und akustischen Designs der Dogon. Seine mit dem Stück 984 korrespondierenden Abmessungen und die ausgeprägte Rostpatina, die auf ein hohes Alter im 19. Jahrhundert hindeuten kann, sprechen für eine Verwendung als zentrales Objekt eines Heiligtums.

Dokumentation: publiziert in "DOGON".

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